DORFSCHULPROJEKT

Bildung spielt in der Entwicklung einer Gesellschaft eine gewichtige Rolle. Das Dorfschulprojekt ist daher das Herzstück des Clusterprojektes. Die Kombination aus einer – an die lokalen Gegebenheiten angepassten – qualitativ hochstehenden Grundausbildung und dem dualen

Berufsausbildungsansatz nach Schweizer Vorbild gewährleistet die optimale Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen auf eine nachhaltige Beschäftigung, die den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien sichert.

Dorfschule

MANGELHAFTE SCHULUNGSSITUATION

Das kambodschanische Bildungssystem ist stark dezentralisiert. Es sieht sich vielen Schwierigkeiten gegenüber, darunter einem Mangel an qualifizierten Lehrerpersonen und adäquaten Lehrmaterialien, fehlender Arbeitsmoral bzw. pädagogischem Ethos unter anderem aufgrund niedriger Löhne. Folgen sind häufiger Schulausfall infolge von Nebenbeschäftigungen oder dem Eintreiben von zusätzlichem Schulgeld durch die Lehrperson. Der Schulbesuch in ländlichen Gebieten bleibt begrenzt, auch weil von den Kindern häufig erwartet wird, auf den Feldern zu helfen. Daraus resultieren gravierende Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Schulen aber auch zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Insgesamt bezahlen die Eltern sechs Mal so viel für die Ausbildung der Kinder wie der Staat. Das führt oft dazu, dass nicht alle Kinder einer Familie zur Schule gehen können und speziell die Mädchen früh die Schule verlassen und ein tieferes Bildungsniveau als die Knaben haben.

Die Ausgangslage des Village School Project sieht wie folgt aus: In der nächstgelegenen staatlichen Dorfschule besuchen derzeit rund 620 Kinder und Jugendliche den Unterricht bei zehn Lehrpersonen. Nicht mit eingerechnet sind in diesen Zahlen die aus diversen Gründen nicht eingeschulten Kinder sowie die rund 50 Schulkinder aus dem Landwirtschaftsprojekt von SGC. Dass der Unterricht bei einem Verhältnis von Lehrer/ Schüler von derzeit 1/70 qualitativ ungenügend ist, kann nachvollzogen werden. Zählt man in der lokalen Kommune von Tbeng Khpos alle Kinder und Jugendliche im schulfähigen Alter (3 bis 15 Jahre) zusammen, leben in der Region sogar rund 2000 potenzielle Schülerinnen und Schüler. SGC hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Schulsituation dringend zu verbessern – und damit die Zukunft der jungen Bevölkerung entscheidend zu fördern.

Schule innen vorher
Kindergarten nachher
village-school
Dorfschulprojekt
village-school2
Schule-aussen-vorher
village school project
Schule aussen nachher

DAS VILLAGE SCHOOL PROJECT

Nachdem 2015 die Renovation des alten Schulgebäudes abgeschlossen werden konnte, arbeiten wir im Moment in Kooperation mit der ETH Zürich und der Pädagogischen Hochschule Zürich mit Hochdruck am «Village School Project». Zum einen entwickelt Smiling Gecko in Kooperation mit der PH Zürich ein auf die Situation angepasstes und für Kambodscha einzigartiges pädagogisches Konzept und setzt dieses beginnend mit der Ausbildung der Lehrpersonen um. Zum anderen stellt Smiling Gecko in Zusammenarbeit mit der ETH eine darauf spezifisch entwickelte bauliche Infrastruktur bereit, die optimales Lernen vom Kindergarten bis zur Oberstufe ermöglicht und gleichzeitig aus architektonischer Sicht ein Leuchtturmprojekt im Sinne der Nachhaltigkeit darstellt.

Lokale Baumaterialien, Stärkung von lokalen Wertschöpfungsketten, Ausbildung von Handwerkern, regenerative Energiekonzepte und umfassende Programme bis hin zur Ernährung der Schüler stehen im Zentrum der Planungen. Dieses Projekt ist weltweit einzigartig, da neben den neuesten Erkenntnissen zum Klimawandel und zu alternativen Baumaterialien auch aktuelle pädagogische Standards bei der Planung der Gebäude und beim Bau Berücksichtigung finden. Um das zu gewährleisten, wurde die Pädagogische Hochschule Zürich, die EAWAG Zürich und mehrere Professoren des Departements Architektur der ETH von Beginn an in die Planung und den architektonischen Umsetzungsprozess involviert.

DORFSCHULPROJEKT
DORFSCHULPROJEKT
DORFSCHULPROJEKT
DORFSCHULPROJEKT

ENTWURF NEUBAU

Praesentation

DIE BAULICHE INFRASTRUKTUR

Unter der Leitung von Prof. Dirk E. Hebel haben 34 Studenten der ETH die Grundlagen für unsere neue Schule erforscht und 16 individuelle, architektonische Projekte erarbeitet. Dazu waren die Studenten 2015 in Kambodscha vor Ort und haben dort sowohl das Schulwesen, als auch traditionellen Bauarten und Tempelanlagen wie Angkor Wat genau studiert und analysiert. Ihre Forschung berücksichtigte besonders lokale Baumaterialien im Zusammenspiel mit der Klimaveränderung in der Zukunft. Aus diesen einzelnen Projekten wurde dann von einem Projektteam mit 5 Studenten und einem Senior-Architekt ein fertiges, realisierbares Genehmigungsprojekt erarbeitet, das im Dezember 2016 abgeschlossen wurde. Nach Anpassung an die lokalen Bestimmungen wird im Frühjahr 2017 mit dem Bau der Schule für über 1000 Kinder, vom Kindergarten bis zur Highschool, begonnen.

So entstehen diverse Neubauten für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrpersonen, aber auch für die Kindergartenklassen.

Neben den Schulhäusern sind auch sanitäre Einrichtungen, Sanitätsräumlichkeiten, eine Schulkantine, eine Bibliothek, Sportanlagen sowie Lehrerunterkünfte geplant. An all diesen Einrichtungen mangelt es bis heute.

Im Village School Project wird damit eine innovative, kindgerechte und effektive Lernumgebung nach neuesten pädagogischen Gesichtspunkten geschaffen. Die Architektur des Schulareals ist modular entwickelt und mit einfachen Mitteln reproduzierbar. Sie bedient sich regionaler Baumaterialien und orientiert sich stark an den lokalen klimatischen Gegebenheiten. Wichtige Bestandteile der Konstruktion, wie die Tragstruktur und die Dachkonstruktion können von der Smiling Gecko eigenen Schreinerei produziert und montiert werden. Bedingt durch die modulare Bauweise ist das Schulareal jederzeit ausbaubar und kann unproblematisch für kleinere und grössere Schulen, wie auch andere Verwendungszwecke (s. Sustainable Garment Education & Production) adaptiert werden.

DORFSCHULPROJEKT
Praesentation A3
Final-Submission_Village-School-Project_Booklet-A3-94
Praesentation A3

DAS PÄDAGOGISCHE KONZEPT

In dieser idealen Lernumgebung betreibt SG in Zusammenarbeit mit der PH Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Wiltrud Weidinger und Prof. Dr. hc Rolf Gollob in einem 10 Jahresprojekt eine Laborschule. Hier werden Lehrpersonen nach neuesten pädagogischen Gesichtspunkten aus- und weitergebildet. Drei Elemente prägen den gewählten pädagogischen Ansatz.

Erstens wird die Schule als System verstanden, in dem eine Schulleitung das Territorium der Schule als eine demokratisch gestaltete Lernumgebung versteht. Pflege der Infrastruktur, Weiterbildung aller Berufsgruppen sowie ein sorgfältig gestaltetes Schulleben in Kontakt mit dem nahen Umfeld stehen dabei im Vordergrund. Ein anwendungsorientiertes Schulführungshandbuch wird erarbeitet, das der Weiterbildung der Schulleitungen dient.

Zweitens lernen die Lehrpersonen dank der pädagogischen Unterstützung die staatlichen Lehrmittel sinnvoll und ergebnisorientiert zu nutzen. Dazu werden – in naher Kooperation mit lokalen Fachpersonen, Zusatzmaterialien erarbeitet. Eine permanente Weiterbildungsinitiative gibt den Lehrpersonen den nötigen Rückhalt für die neue professionelle Ausrichtung. Unterstützt werden diese Materialien durch ein didaktisches Handbuch, das an der PH Zürich speziell für die Anwendung in Entwicklungs- und Schwellenländern entwickelt und an die lokalen Verhältnisse adaptiert wird.

Drittens werden alle Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten, die die Arbeits- und Lebensumwelt des Clusterprojekt Smiling Gecko anbietet, pädagogisch genutzt. Spezifische Lern- und Praxisprogramme für Acker- und Gartenbau, Viehzucht, Holzbearbeitung, Fahrrad-Unterhalt, Bewässerung, Textilverarbeitung werden erarbeitet und als lebendiges Lernangebot für die internen Schülerinnen und Schüler aber auch als Kurs- und

Klassenlagerangebot für Kinder von benachbarten Schulen bereit gestellt. Berücksichtigt werden neben lokalen und nationalen Gegebenheiten auch internationale Erfahrungen und Erkenntnisse aus der aktuellen Bildungsforschung. Im Vordergrund stehen die Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung und die Lernergebnisse, die an den Bedürfnissen des Lebens angepasst sein sollen.

Ziel des VSP ist es, dass in der von SGC unterstützten Schule in naher Zukunft nicht nur Kindergarten- und Primarschüler ausgebildet werden können. Bald sollen sich hier auch Oberstufenschüler auf den Einstieg ins Berufsleben oder an eine Universität, vorbereiten können. Da es sich um eine staatlich anerkannte Privatschule handelt, ist SGC auf die einvernehmliche Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen Behörden angewiesen. Es ist das erklärte Ziel, schnell ein Netzwerk von öffentlichen Schulen in alle Belange (Schulleitung, Schulentwicklung sowie Unterrichtsentwicklung) einzubeziehen und zu unterstützen. Bisher haben sich diese gerne dazu bereiterklärt. Denn das Schulprojekt von SGC hat mittlerweile eine Leitfunktion übernommen, wie kooperative Entwicklungshilfe auch im Erziehungsbereich funktionieren kann. Auch in der Zukunft pflegt SGC einen engen Austausch mit staatlichen und regionalen Regierungen und Behörden. SGC, die PH Zürich und die ETH schaffen so ein gesamtheitliches Ausbildungskonzept mit Modellcharakter für Kambodscha und darüber hinaus.

Die Schule kann sich natürlich nicht selbst tragen und folglich sollen die laufenden Kosten aus den Erträgen der übrigen Säulen des Clusterprojektes bestritten werden.

In Kooperation mit

phzh_logo_sponsoring
ETH Zürich
Dirk Hebel
Ilse-hartmut-schneider-fondation

WEITERE PROJEKTE

LANDWIRTSCHAFTS-
FAMILIENPROJEKT

SMILING GECKO CARPENTRY

FARMHOUSE SMILING GECKO

NACHHALTIGE TEXTILFABRIKATION

INDUSTRIAL EDUCATION & TRAINING CAMPUS

BAMBUS PROJEKT

TUK TUK PROJEKT

DIREKTHILFE

UNTERSTÜTZUNG ANDERER NGO´S